Entschuldigt bitte, ich konnte mich nicht zurück melden. Ich war in der absoluten Wildniss verschollen. Mit einem Kajak durch wilde Wasserschluchten. Nachts dann am Lagerfeuer mit Schlafsack, ganz lost im Nichts. Ich habe gekämpft mit vieläugigen Monstern und glibberigen Tiefseefischen. Wurde von Quallen und Haien gejagt und von der Sonne gebraten.  Mit anderen Worten, ich habe viel erlebt und, nun zurück in Berlin, muß ich diese Abenteuer erstmal verdauen.

Hier ein Ausschnitt einer Diskussion, wie ich sie gerade häufiger führen muß. Es geht um ein Drehbuch, an dem ich gerade arbeite, das in Bayern spielt. Deswegen überfallen jeden, mit dem wir sprechen, sofort die üblichen Klischee-Bilder von Vorabendserien: Geranien bestückte Balkons neben drallen Trachtenfrauen und wackeren Landärzten. Da helfen auch keine langen Regiekommentare zur Umsetzung, oder frühere Werke als Beispiel:

“Wir finden das Buch sehr spannend, aber…. läuft man da nicht Gefahr, in einem ländlichen Klischee zu landen? Warum überhaupt Bayern, warum nicht die Ostsee, oder Schwaben? …Ach, der Originalfall passierte in Bayern? Achso, ja dann. Das Regiekonzept? Stimmt da steht was über die Umsetzung, stimmt. Klar, die Filme von Frau äh…ja, aber…die Gefahr des Klischees…wie soll das denn jetzt aussehen? Klar das Buch ist sehr spannend, aber…”

Da gibt es eine Entsprechung in der Musikindustrie: ” Mir persönlich gefällts ja, aber das Publikum…” Oder: “Super Song, aber wo ist denn da die Hook?”

Sätze, die die Welt nicht braucht.

Der erste Juni, Mensch! Und keine Sonne in Sicht. Irgendwie nimmt einem das wirklich die Energie.

Obwohl soviel Neues passiert:

Wir haben einen Deal mit WHEN und gehen im September mit umgearbeiteten Drehbuch in die Förderung!

Das ist schnell und deswegen denken wir schon parallel übers Casting nach.

Ich habe einen Hilfeschrei, was Supermarkt betrifft an die anderen Mitglieder der ag gepostet und hoffe, ich erhalte eine Antwort.

Die DVD von Adil ist endlich im Handel!!!

…und vieles mehr. Das heißt, eigentlich fühle ich mich ganz anders als das Wetter. Ich muß mich nur morgens immer dran erinnern, denn wenn ich nach dem Aufstehen aus dem Fenster schaue, überfällt meinen Körper erstmal die berliner Winterdepression.

Ich, als dummer Filmemacher, besuche natürlich auch ab und zu ein paar Ausstellungen. Eigentlich wollte ich konsequenterweise über sowas nicht schreiben und nur über meine Erlebnisse in der Filmwelt berichten. Doch da dort soviel Videokunst war, hat das ja auch ein wenig was mit Medien zu tun.

Für meine Arbeit sehr inspirierend war zum Beispiel die Videoinstallation “Drunk” von Gillian Wearing. Eine super Beobachtung dieses ziemlich widerwärtigen Zustands, das mich sofort an eine Szene aus meinem Drehbuch WHEN erinnerte und mir gleich viele Anregungen gab, wie ich diese umsetzen könnte.

Im großen und ganzen erinnerten die Videos aber leider oft an Experimentalfilme aus den Zwanzigern, oder wirklich schlechte Ausschnitte aus älteren und neueren Hollywoodfilmen. Das war mir dann alles zu weit weg, von mir als normalem unbelecktem Kunstkonsumenten. Da biß sich die Schlange echt in den Schwanz.

Doch ein paar der Filmschnipsel wirkten dann doch ziemlich tief, sodass sie mich auch körperlich mitnahmen. Wie zum Beispiel ein Video (Anri Sala) von einem Esel, der an einer dunklen stark befahrenen Straße, vor ein paar anonymen Häuserblocks steht. Das war so voller Einsamkeit, dass es wehtat. Und da hab ich auch verstanden, warum man diesen Moment rausgreift und in seiner Endlosigkeit in eine Videoschlaufe packt.

Ich hab zwar noch nicht alles angeschaut, doch am beeindruckendsten fand ich bis jetzt das ganze jüdische Mädchengymnasium. Das Gebäude alleine wirkt schon und gibt den meisten Kunstwerken den letzten Kick. Schön auch, das Nachrichten der Schulleitung, Aufrufe an Schüler irgendeine Straße zu säubern, oder die Graffities dort hängen gelassen wurden und so die Spuren der Zeit eine weitere Dimension eröffneten.

Der Anfang mit dem Bang.Bang Room und der Düsenturbine gaben dem ganzen was von einem Gruselkabinett. Sehr spaßig.

Ich bekomm es einfach nicht hin, ein Drehbuch zu diesem Stoff.

Wahrscheinlich ist das auch die falsche Herangehensweise. Ich hab echt die Schnauze voll. Am liebsten würd ich einfach ein paar Schauspieler nehmen und einen Handyfilm draus drehen. Da wird aber die andere Hälfte von EsKiMo sicher nicht mitmachen. So ein Mist. Fluch,Grummel, Arrgh!

Der Hundebiss ist endlich soweit verheilt, dass ich wieder schreiben kann.

Erschreckend, was man als Linkshänder alles nicht machen kann, wenn die linke Hand verletzt ist. Selbst das Öffnen einer Katzenfutterdose gestaltet sich als schwierig. Geschweige denn Auto fahren, Betten beziehen, Brote schmieren, Pullis überziehen…

…ein Gefühl der absoluten Hilflosigkeit.

Fazit: Ich muss wirklich was an meinem Leben ändern. Die rechte besser Hand trainieren und rausfinden, was der da Oben mir eigentlich sagen will.

Dieses Jahr bei der Lola. Diesmal in einer neuen Location mit neuer Sitzordnung. A, B, C, D, E …usw. Ich, im Bereich C. Das war eigentlich gar nicht so schlecht, es war nämlich ziemlich frontal und nicht zu weit weg von der Bühne. Aber was die Promidichte betrifft, natürlich kein Top-Platz.

Deswegen brach bei meinem Sitznachbarn Panik aus: Warum ausgerechnet C? Alle die was auf sich zählen können, sitzen doch in A? Oder? Steht C nicht für C-Promi, drittklassig, gestrig oder minderwertig? Kann was damit gemeint sein, wenn man NUR in C gesetzt wird? Ist das ein Zeichen? Muss man sich jetzt schlecht fühlen, oder um seine Zukunft in der Filmbranche besorgt sein?

“Wir sind wohl das Schwenkfutter?”, scherzte er. Doch man sah ihm an, in seinem Kopf tickte es. Angstschweiß brach aus. Warum, warum, warum NUR C?

Danach mit c-gemindertem Selbstvertrauen in die Menge. Doch da, oh Graus! So viel Überflüssige, die einem zu verstehen geben, wie überflüssig man ist. Begrüßen? Nein, nur wenn wichtig. Bloß keine Überflüssigkeiten zu Überflüssigen. Nur knappe Sätze für knappe Menschen.

Doch da. Ein paar bekannte Gesichter. Die Rettung naht! Jetzt Prosecco und Wein im Überfluss! Das war’s, auf wieder sehn! Mein Sitznachbar verschwand in der Menge.

Und ich? Verstummt durch diese Psychonummer, stand ich erstmal da. Ich wusste jetzt auch nicht mehr so genau? A, B oder C?

Ich trat auf die Vollmond beschienene Terrasse und genehmigte mir ein Stück frisch gegarten Thunfisch. Dann traf ich einen Bekannten und wanderte noch ein wenig umher, um später mit Freunden in meiner Stamm-Punkkneipe auf die Preisträger anzustoßen.

Also. Wenn man gerade nicht nominiert ist, oder jemand bestimmtes treffen will, dann nur mit Blech und Harnisch. Sonst A, B oder C.

Im Grossen und Ganzen aber, kurzweilig und aufs Wesentliche beschränkt, (habe ich unter den Nominierten zwar ein paar wichtige Filme vermisst, mich wie viele andere auch, über die wiederholte Preishäufung auf einen einzigen Film gewundert und es für Schade befunden, das Sommer vorm Balkon leer ausging), war die Lola 2006 eine ganz gelungene Veranstaltung.

Nett lächelnde Onkels verteilen Lutscher an kleine Kinder. Das war meine Assoziation auf dem letzten Treffen der Filmakademie. Ich weiß dies entbehrt wahrscheinlich jeglicher Grundlage, doch man sollte stets seiner Intuition trauen.

Hat also mein Journalistenkumpel recht? Ist die Filmakademie ein Verein der dicken Produzenten, die sich mit billigen Geschenken die Gunst der kreativen Abteilungen kaufen?

So ganz pauschal kann man das sicher nicht beantworten. Doch das letzte Mal wunderte sich so mancher Regisseur über einige Ungereimtheiten.

Warum zum Beispiel ist die Produzentenriege so geschlossen dagegen, die Regisseure bei der Verleihung des “Besten Filmes” zu nennen? Fühlen sie sich benachteiligt, weil es keinen extra Produzentenpreis gibt? (Den könnte man natürlich einführen.) Oder geht es hier über kurz oder lang um Urheberrechtsfragen und die Verdrängung der Leistung der Regisseure aus dem öffentlichen Bewußtsein, wie manche befürchten? Dem gesunden Menschenverstand leuchtet es zumindest nicht ein, dass die Regisseure nicht genannt werden sollten. Schließlich zeichnen sie sich meistens mehr als verantwortlich für den Erfolg eines Filmes. Auch ist die Zusammenarbeit zwischen Produzent und Regisseur meist partnerschaftlich und beide kämpfen meist von Anfang bis Ende gemeinsam für den Film. Also leuchtet es ein, wie in allen anderen europäischen Ländern auch üblich, beide Parteien zu nennen. (Amerika ist da etwas außen vor, da es einfach eine komplett andere Produktionsstruktur besitzt.)

Der andere Umstand, der manche sich verwundert am Kopf kratzen ließ, war ein Interview in der Variety, wo der Vorstandsvorsitzende der Akademie äußerte, er wolle über kurz oder lang die Preisgelder abschaffen. Das scheint äußerst problematisch, da die Lola ja leider sonst keine wirtschaftliche Bedeutung hat. Also ein Lolapreisträger deswegen nicht unbedingt seinen nächsten Auftrag in der Tasche hat, oder sonst einen beruflichen Vorteil von seinem Preis hat. Da sind die Preisgelder ein schöner und wichtiger Ausgleich. Und so manch schöner Film ist in unabhängiger Produktion daraus entstanden! (z.B Halbe Treppe, oder auch Gegen die Wand und viele mehr!) Mit anderen Worten, die Preisgelder sind gerade für kleine unabhängige Produktionen und selbst produzierende Regisseure, absolut notwendig! Sie stellen das einzig Gremien freie Geld dar und können so dafür sorgen, dass auch interessante und experimentierfreudige Projekte entstehen können.

Bei solchen Ansagen, kann man schon ins Grübeln kommen. Auch wenn dann in der allgemeinen Jubelstimmung, über die gelungenen Lolaveranstaltungen, alles später kumpelhaft weggelächelt wird, wir bleiben auf der Hut!

Irgendjemand hat mir mal gesagt, wir seien ein Land von Erstlingsfilmen. Das hat sich für mich bei der Auswahl des Schweriner Wettbewerbs (bei dem ich das letzte Jahr mit Adil geht gewonnen hatte), bestätigt.

Die wenigen Nicht-Nachwuchsfilme, zeichneten sich meistens durch eine etwas größere Geschlossenheit aus. Das machte sie zwar nicht unbedingt besser, aber der Charme eines Erstlings reicht eben auch nicht immer aus, um offensichtliche Schwächen auszugleichen.

Manchmal hatte ich das Gefühl, wären noch ein wenig mehr Möglichkeiten und Erfahrung da gewesen, und sei es nur um zu feilen, Nebenfiguren richtig auszuarbeiten usw., dann wären da richtig großartige Filme entstanden. So blieb viel gutes Potential dann doch irgendwo stecken und einiges, zwar im Ansatz genial, wirkte dann doch nicht zufrieden stellend, oder zu Ende gedacht.

Ich frage mich, wo da die Redakteure und Produzenten stehen? Doch denen ist das wahrscheinlich ziemlich egal. Ein Erstlingsfilm, wenn es sich vielleicht sogar noch um einen Diplomfilm handelt, ist ja schließlich billig produzierte Sendezeit. Das wird in den letzten Jahren auch immer häufiger ausgenutzt.

Ganz vorne in diesem Spiel steht da die Ludwigsburger Filmhochschule. Da dürfen junge Talente für Umme gleich mal ein Fernsehspiel machen. Natürlich wird das als Chance verkauft, ist es vielleicht auch. Aber warum sollte man dafür eigentlich nicht richtig bezahlt werden? Das Problem ist ausserdem, zu einem zweiten Film, mit richtiger Bezahlung kommt es dann oft nicht.

Aber Themawechsel, es waren ein paar schöne Filme dabei und ich kann nur hoffen von den meisten dann auch einen zweiten Film zu sehen.

Natürlich ist eine Jury-Entscheidung immer voller Kompromisse, doch obwohl die Jury extrem unterschiedlich besetzt war (Caroline Eichhorn, Friedrich von Thun, Ivo Kummer, Cooky Ziesche und ich), lief die Entscheidungsfindung dann doch recht harmonisch ab. Besonders einig waren wir uns bei den Filmen, denen wir die immerhin recht hoch dotierten Preise (Hauptpreis 7500 Euro, Regiepreis 5000 Euro), nicht geben wollen. Ob das immer so ist?

Wir haben uns übrigens dafür entschieden, Schläfer (Benjamin Heisenberg, D) und Nachbeben /Stina Werenfels, CH) einen Preis zu geben. In Diskussion waren auch Sonja und Prinzessin.

Das unglaubliche ist passiert. Ich bin beim joggen von einem Hund angefallen worden. Er hat mich wohl mit einer Salami verwechselt. Zumindest hat er in meinen Arm gebissen, wie in eine Salami. Dummerweise war es meine Schreibhand. Die ist jetzt eingegipst, deswegen fällt es mir auch ein wenig schwer zu schreiben. Tja diese tückischen Biester!

Dabei ist soviel passiert. Ich war Jury-Mitglied in Schwerin, der deutsche Filmpreis und eine Mitgliederversammlung der deutschen Filmakademie. Durch meine momentane Behinderung werde ich nur in Kurzform davon berichten.

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